WdC20: „Life is too short to build something nobody wants“

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Nachbericht zum 20. Web de Cologne Netzwerktreffen (WdC20) zum Thema „Corporate Innovation“

Am 22. Mai 2014 fand das 20. Web de Cologne Netzwerktreffen (WdC20) im Rahmen des Interactive Cologne Festivals (19.-25. Mai 2014) statt – nach inspirationsreichen Impulsvorträgen von unseren vier Referenten/Innen bot das Thema im Anschluss spannenden Diskussionsstoff unter den rund 120 Gästen.

Diskutiert wurde zum Thema: „Corporate Innovation – Notwendigkeit und Chancen eines Unternehmenswandels in disruptiven Märkten“ – beginnend mit prägnanten Meinungen von

Prof. Dr. Peter Russo, Director and Founder INIT (EBS Business School),
Nicolas Clasen, Management Consultant (digicas – digital strategies) und Autor von “Der digitale Tsunami“,
Rita Bollig, Leitung Bastei Entertainment/Head of Bastei Entertainment (BASTEI LÜBBE AG) und
Johannes Nünning, VP Business Strategy (Telekom Deutschland GmbH).

Ein paar Statements zu „Corporate Innovation“ haben wir für Sie in diesem Beitrag in Form von Stichpunkten zusammengefasst.

WdC20_Referenten_Vorbesprechung
Vorbesprechung der Referenten/Innen v.l. vorne im Uhrzeigersinn: Stefanie Peters, Johannes Nünning, Peter Russo, Nicolas Clasen, Rita Bollig

1. Statements von Prof. Dr. Peter Russo, Experte für Innovation und Entrepreneurship

  • Große erfolgreiche Unternehmen habe es schwer, innovativ zu sein.
  • Ihr Erfolg basierte bisher auf einem klaren Produktfokus.
  • Derzeit befinden viele Märkte im Umbruch, entwickeln sich anders als erwartet.
  • Ob im Bereich der Telekommunikation, Medien, Banken, Energie: Unternehmen müssen umdenken, neues Wachstum generieren, neue Wege gehen – dafür gibt es zwei Optionen:
    • 1. Insel der disruptiven Innovation
    • 2. Spin-off
  • Es gelten vier Erfolgsfaktoren für Innovation: Strategische Richtung/Positionierung; Organisation/Strukturen; Prozesse/Kooperationen; Kultur.
  • Angst vor Neuem ist groß, aber erklärbar: Es steht für „Corporates“ viel auf dem Spiel (hohe Investitionen) und das Risiko ist hoch.
  • Tipp/Fazit: Wenn eine Veränderung erforderlich, dann mit Mut einen neuen Weg angehen; diese muss von oben getrieben werden.

2. Nicolas Clasen, Experte für disruptive Innovation

  • Es gibt viele Beispiele (in allen Branchen), wo neue Player den Markt mit disruptiven Geschäftsmodellen verändert haben: z.B. Amazon oder Google
  • Neue Technologien ermöglichen günstigere Preise für Kunden.
  • Es liegt stark an den Reaktionen der etablierten Unternehmen, die neue Technologien unterschätzen und in ihrem Premiumsegment verharren.
  • IBM oder auch die Deutsche Telekom haben es geschafft, sich zu behaupten: IBM hat sich komplett neu aufgestellt. Die Telekom hat etwa massiv in die Entwicklung der Mobilfunknetze investiert, was eine disruptive Technologie zum Festnetz darstellt.
  • Axel Springer macht (fast) alles richtig: schickt Top Leute ins Silicon Valley und setzt wieder auf Journalismus als Kerngeschäft.
  • Fazit: Es ist ratsam, mit dem dominanten Player (Amazon, Google) eine Partnerschaft einzugehen – anstatt zu versuchen, gegen sie anzugehen (siehe Thalia mit Tolino).
WdC20 – das Podium v.l.: Johannes Nünning, Nicolas Clasen, Stefanie Peters, Peter Russo, Rita Bollig
WdC20 – das Podium
v.l.: Johannes Nünning, Nicolas Clasen, Stefanie Peters, Peter Russo, Rita Bollig

3. Rita Bollig, Expertin für digitales Entertainment

  • Rita Bollig hat einen digitalen Verlag im Verlag als Insellösung aufgebaut; Ihr eigenes Team besteht aus Projektmanagement, Marketing, Vertrieb und App-Entwicklern.
  • Etablierung eines „Speedboat“: schnellere und agilere Strukturen, enge Kommunikation und Teamarbeit ermöglichen Fokus auf den Endkunden – es gilt: „Man kann versuchen, den Kunden zu erziehen, aber es hat noch nie funktioniert“.
  • Herausforderungen: Endkunden sehen Lücken im Content, intransparentes Pricing.
  • Chance bei BASTEI LÜBBE: Stammkundschaft, Beratungskompetenz nutzen – mit dem Ziel eines preiswürdigen Angebots, einem engen Kontakt zum Kunden (Auslieferung ohne DRM) nach dem Motto: „Wir wollen es dem Kunden so leicht wie möglich machen“.
  • Zurzeit befindet sich der Verlag in einem Changemanagement-Prozess, das bedeutet, dass sich beide ‚Welten‘ einander annähern und um Verständnis werben. Dies kann dann allerdings zu Lasten der Geschwindigkeit gehen.
  • Ratsam sind Kooperation mit Geräteherstellern, gemeinsame Entwicklung innovativer Produkte (Streaming-App mit Serieninhalten).
  • Es besteht die Gefahr für Gesamtunternehmen, eine Insellösung als Feigenblatt für Innovation zu sehen („Wir sind ja innovativ“) und sich selbst „zurück zu lehnen“ – das ist nicht ratsam.
  • Fazit: „Die Veränderung hört nie auf, man darf sich nicht zurück lehnen, sondern muss/darf immer weiter lernen.“

4. Johannes Nünning, Experte für Intrapreneurship und Gründer des UQBATE Innovationsprogramms bei der Telekom Deutschland

Auf die Frage: „Wie kann ein großes Unternehmen mit etabliertem Kerngeschäft wie ein Startup arbeiten?

  • Kleine „Garagen“ im großen Corporate bilden → wie bei „UQBATE“: ein Innovationsprogramm, das Mitarbeiter mit eigenen Geschäftsideen fördert, also die Etablierung von Startups im Unternehmen unterstützt (Intrapreneurship).
  • UQBATE Teams starten stets als internes Projekt (nicht als Unternehmensbeteiligung), und nutzen Lean-Startup Methoden (inklusive adaptiertem Startup Weekend als Boot Camp, Coachings) zur schnellen und agilen Produktentwicklung; dann: Investitionsentscheidung durch operatives Management Team.
  • Seit dem Start 7 (derzeit noch 5) Projekte seit Mitte 2011 aus rund 300 Ideen hervorgegangen Im Mittelpunkt steht der Aufbau neuer profitabler Geschäftsfelder.
  • Erfolgsfaktor: Frei- und Schutzraum schaffen für die Entwicklung der Ideen – mit Fokus auf die Kundenbedürfnisse.
  • Das Management sollte akzeptieren, dass auch interne Startups unter Bedingungen hoher Unsicherheit starten, permanent lernen und sich Richtungen und Ziele der Projekte grundlegend ändern können. „Erprobte“ Managementtools aus dem Kerngeschäft sind hier daher nicht anwendbar.
  • Fazit: „Life is too short to build something nobody wants“. Eine bestehende Unternehmenskultur kann sich Schritt für Schritt ändern – auf der Basis: “Das Management muss Frei- und Schutzräume schaffen, um Unternehmer im Unternehmen machen zu lassen. Talente werden sichtbar, und es gilt diese zu enablen und zu empowern. Entscheidungen entlang von im Markt validierten Geschäftsideen fällen, um Risiken zu minimieren“.
WdC20 Netzwerktreffen - rund 120 Gäste haben miteinander zum Thema "Corporate Innovation" diskutiert und neue Kontakte geknüpft
WdC20 Netzwerktreffen – rund 120 Gäste haben miteinander zum Thema „Corporate Innovation“ diskutiert und neue Kontakte geknüpft

Nicht zuletzt hat auch die charmante Moderation von Stefanie Peters (Mitgründerin und Geschäftsführerin von enable2grow) zum Erfolg der WdC20-Podiumsdiskussion beigetragen, die ihren gemütlichen Ausklang in der „Networking Lounge“ bei Kölsch & Co. und spannenden Unterhaltungen sowie Kontakteknüpfen fand.

Wir bedanken uns bei allen Gästen – und freuen uns auf das WdC21 Netzwerktreffen im Sommer 2014. Wir halten Sie auf dem Laufenden.